Die Erhaltungstherapie ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg einer Parodontalbehandlung und zum Erhalt der Zähne.

Fachlicher Hintergrund

Die individuelle immunologische Disposition für Parodontalerkrankungen ist in der Mehrzahl der Fälle genetisch bedingt und damit für das ganze Leben gegeben. Risikofaktoren wie Rauchen oder Stress modulieren die Anfälligkeit für Parodontitis. Ihre Reduktion kann zum Behandlungserfolg betragen und verbessert die langfristige Prognose. Allein dadurch ist aber keine nachhaltige Stabilität zu erwarten.

Als bester kausaler Ansatz zur langfristigen Stabilisierung des Parodontalzustands bleibt damit die fortwährende Zurückdrängung der parodontopathogenen Problembakterien. Eliminieren lassen sich diese Bakterien nicht. In geringer Konzentration gehören sie zur natürlichen Standortflora und bei parodontal anfälligen Personen gedeihen sie besonders gut.

Eine fortwährende Anwendung von Antibiotika kommt nicht in Frage, Impfungen gibt es nicht und die Idee, die Standortflora durch Zufuhr nützlicher Bakterien oder Ernährungs-Maßnahmen umzustimmen, ist noch in einem frühen experimentellen Stadium. Also bleibt nur der seit Jahrzehnten bewährte und mit wissenschaftlichen Studien gut belegte Ansatz, die erhöhte parodontale Anfälligkeit durch besonders gute Zahnpflegemaßnahmen zu kompensieren.

Häusliche Zahnpflege und Erhaltungstherapie

Bei Vorliegen einer Parodontitis ist die konsequente häusliche Zahnpflege für den Erhalt der Zähne zwingend erforderlich. Geeignete Maßnahmen wie z.B. die richtige Anwendung von Zahnseide werden in der Parodontalbehandlung individuell erarbeitet und eingeübt.

Bei fortgeschrittener Parodontitis reicht die häusliche Zahnpflege allein für eine nachhaltige Stabilisierung der Situation nicht aus. Durch den fortgeschrittenen Knochenabbau, freiliegende Zahnhälse, Wurzelgabelungen und Zahnzwischenräume gibt es viele Schlupfwinkel für bakterielle Beläge, die vom Patienten selbst nicht hinreichend gepflegt werden können. In diesen Bereichen kann sich die bakterielle Flora ungestört erneut aufbauen. Nach einigen Wochen nehmen die schädlichen Bakterien lokal allmählich wieder überhand, spätestens nach einigen Monaten hat sich die Entzündung lokal wieder etabliert. Wenn dann rechtzeitig wieder professionell gereinigt wird, stabilisiert sich die Situation – andernfalls schreitet die Neubesiedlung weiterer Zahnfleischtaschen mit aggressiven Bakterien weiter fort.

Der richtige Zeitabstand der Termine zur Erhaltungstherapie wird unter Berücksichtigung der allgemeinen Gesundheit, des parodontalen Vorschadens, der Pflegemöglichkeiten und des aktuellen Parodontalzustands jeweils individuell festgelegt. Bei fortgeschrittenen Fällen ist typischerweise ein Terminabstand von 3 – 4 Monaten erforderlich. Ohne Erhaltungstherapie wird jeder Parodontitis-Patient früher oder später wieder zum Neufall. Um dem vorzubeugen hat die Erhaltungstherapie einen weiteren Aspekt: Positive Motivation und die Ermunterung mit der Zahnpflege am Ball zu bleiben, auch wenn mit den Zähnen wieder alles gut ist. Denn so soll es auch bleiben.

Reevaluation und ergänzende Maßnahmen

Im Zuge der Erhaltungstherapie wird der Parodontalzustand regelmäßig diagnostisch überprüft. Bei neuen Problemen kann frühzeitig eingegriffen und der Behandlungsaufwand dadurch reduziert werden.

Sobald sich der Parodontalzustand belastbar stabilisiert hat – das ist typisch 3 – 6 Monate nach der Kürettage -, besteht die Möglichkeit, mit ergänzenden Maßnahmen den Gebisszustand weiter zu verbessern. Vom Austausch unansehnlich gewordener alter Frontzahnfüllungen, über die Korrektur von parodontal bedingten Zahnfehlstellungen mit Schienen (aesthetic liner), Erneuerung von alten Kronen, regenerativer Parodontalchirurgie oder Implantatversorgung – ganz nach den Erfordernissen und Wünschen des Patienten. Auf Basis eines wissenschaftlich fundierten Behandlungskonzepts steht für uns dabei der langfristige Erhalt ihrer eigenen Zähne im Zentrum der Behandlung.

Was wird in der Erhaltungstherapie gemacht?

Ein Termin zur parodontologischen Erhaltungstherapie umfasst  das Erheben von Mundhygiene-Indizes, die Mundhygiene-Instruktion, die gründliche professionelle Zahnreinigung mit Politur aller Zahnzwischenräume. Eine Überprüfung des Parodontalzustands und die Aktualisierung des zahnärztlichen Befundes schließen sich an.

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Kosteninfo

Ein Termin zur parodontologischen Erhaltungstherapie dauert ca. eine Stunde und kostet je nach Aufwand 90 – 130 Euro; alle 1 – 2 Jahre kommt eine gründliche parodontologische Untersuchung mit Dokumentation der Sondierungstiefen zur Verlaufskontrolle hinzu, dies kostet ca. 30 Euro.

In der gesetzlichen Krankenversicherung werden Maßnahmen zur Mundhygiene, Zahnpflege und Prävention nur für die Altersgruppe von 6 – 18 Jahren übernommen (sog. Individual-Prophylaxe). Deshalb ist die parodontologische Erhaltungstherapie keine Kassenleistung.

Einige Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern jedoch als Zusatzleistung die teilweise Kostenerstattung für Präventionsmaßnahmen an. So erstattet z.B. die AOK Niedersachen bis zu zweimal pro Jahr gegen Vorlage der Rechnung einen erheblichen Teil der Kosten einer professionellen Zahnreinigung. Hier gibt es sehr große Unterschiede zwischen den verschieden gesetzlichen Krankenkassen. Bei den Zahnzusatzversicherungen ist es ebenso, einige übernehmen Kosten für Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung, andere nicht.

Die Leistungen der privaten Krankenversicherung richten sich nach dem gewählten Tarif. Häufig werden die Kosten für zwei professionelle Zahnreinigungen pro Jahr (teilweise) erstattet. Wenn die Diagnose „Parodontitis“ vorliegt, erstatten private Krankenversicherungen und Beihilfestellen häufig alle Kosten der medizinisch notwendigen parodontologischen Erhaltungstherapie.

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